Woran erkennt man eine gute Hundeschule?

 

Leider gibt es viele Hundehasser in unserer Gesellschaft. Hundeverordnungen, Wesensüberprüfungen verunsichern alle Beteiligten. Für Hundehalter und Hunde sind die unbeschwerten Zeiten in Deutschland vorbei – das Klima ist wesentlich rauer geworden. Ein gut erzogener Hund ist daher nicht nur ein angenehmer Begleiter, sondern er verbessert auch das allgemeine Image des Hundes in der Öffentlichkeit.

Der Markt der "Hundeexperten" und "Hundetrainer" boomt und viele selbst ernannte sog. Spezialisten bieten hier ihre Dienste an. Hundeschulen sprießen wie Pilze aus dem Boden. Für einen unerfahrenen Hundebesitzer ist es oftmals schwer, hier die Spreu vom Weizen zu trennen und nicht auf aufdringliche Werbung hereinzufallen. In Deutschland gibt es keinen staatlich anerkannten Ausbildungsweg für Hundetrainer, eine Hundeschule kann von jedem eröffnet werden. Titel und Berufsbezeichnungen sind nicht staatlich verliehen, da es sich in keinem Fall um ein Studium an einer staatl. Hochschule handelt. Die Führung eines Titels wie Diplomhundepsychologe/Diplomverhaltensberater, die vielfach verwendet werden,  sind deshalb nicht zulässig, Auch wenn ein abgeschlossenes Studium der Tierpsychologie, des Tiertrainers etc. nachgewiesen werden kann, ist dies noch keine Garantie für einen sachkundigen und hundegerechten Unterricht. Auch die eigenen Prüfungen im Bereich der Schutzhundausbildung oder Begleithundausbildung des Hundetrainer sagt nichts aus über die Sachkenntnis der Hunde. Jeder Hund und jede Rasse ist anders zu bewerten.


Von Hundeschulen/Hundeinternaten bei denen der Hund quasi "abgegeben" wird und nach zwei bis 6 Wochen "perfekt" erzogen wieder abgeholt werden kann, rate ich dringend ab. Bitte bedenken Sie, dass Ihr Hunde keine emotionale Verbindung zum Hundtrainer besitzt, somit anders als bei Ihnen lernen wird. Denken Sie daran, dass Sie mit dem Hund leben müssen und nicht der Hundetrainer.
Der Besitzer kann nicht innerhalb einer Einarbeitungszeit von 2 Stunden oder auch 2 Tagen  nach dem Internatsaufenthalt die ganze Bandbreite der Erziehung erlernen. Vergessen Sie bitte nicht, dass ihr Hund viele Entwicklungsstufen in den ersten 2 Jahren durchlebt und immer wieder ein anderes Verhalten zeigt. Wenn es denn kein Gruppenunterricht sein soll, buchen Sie Einzelstunden, die nur auf Sie und Ihren Hund zugeschnitten sind. Dann hat Ihr Hund nicht den Stress von Ihnen getrennt zu sein und gleichzeitig erleben Sie die Ausbildung live, die der Hundetrainer zur Ausbildung Ihres Hundes anwendet.

Das Hundetraining sollte IMMER auch eine Schule für den Hundehalter sein, der dort vieles über gewaltfreie Erziehungsmethoden und das artgerechte Verhalten seines Freundes lernen sollte: dessen Reaktionen, Körpersprache und Lernverhalten. Denn nur dann kann sich der Mensch auf hündische Art mit seinem Tier verständigen – Verständnis ist die Basis für Gehorsam!
Das sicherste Merkmal einer guten Hundeschule ist, wenn Hund und Halter sich voller Vorfreude zum Training begeben. Dies kann man auch als "stiller Beobachter" aus einiger Entfernung feststellen: Neugierig und freudig sollen beide Schüler zum Unterricht gehen. Beobachten Sie Hunde und Halter beim Eintreffen auf dem Hundeplatz und fragen Sie die Hundehalter nach ihren Erfahrungen...
Und schauen Sie sich die Hunde sowie deren Herrchen/Frauchen nach dem Training an: Machen alle einen zufriedenen gelösten Eindruck, so war das Training sicherlich erfolgreich und hat allen Beteiligten Spaß gemacht. Ein Hundetrainer der es versteht, Spiel, Spaß und effektives Lernen für Hund und Mensch in seinem Unterricht zu kombinieren, wird Tier und Halter auch zu dem gewünschten Lernerfolg verhelfen können – unabhängig von einem "fachlichen" Ausbildungsnachweis.

TIPP:
Um eine gut geführte und seriöse Hundeschule zu finden, sollte man auf folgende Kriterien achten:

- Der Hundehalter selbst sollte seinem "ersten" Gefühl trauen. Er sollte verstanden werden und verstehen, was ihm erklärt wird. Nicht militärischer Drill oder Macho-Gehabe sollte den Ton auf dem Trainingsgelände beherrschen, sondern Einfühlungsvermögen und Gefühl für die einzelnen "Paare". Jeder Hundeführer sollte ohne Zögern Fragen stellen können und zufriedenstellende Antworten erhalten.
- Es sollte unbedingt die Möglichkeit gegeben sein, zuerst einmal unverbindlich beim Training zuschauen zu können bzw. ein Probetraining absolvieren zu können.
- Die Ausbilder sollten bereitwillig Auskunft über die eigenen Qualifikationen und Erfahrungen geben (alte Traditionen lang bestehender Hundeschulen sind keine Garantie dafür, dass nach neuesten verhaltenstherapeutischen Erkenntnissen gearbeitet wird)
- Die Hundegruppen sollten nicht zu groß sein. Pro Trainer sollten nicht mehr als 6 - 8 Hunde anwesend sein, damit die Möglichkeit gegeben ist, auf jeden einzelnen einzugehen.
- Das Training sollte nicht nur auf dem Trainingsplatz stattfinden, sondern praxisbezogen auch in der Öffentlichkeit mit Spaziergängen in ruhigen und lebhafteren Wohngegenden etc.
- Der Unterricht sollte so gestaltet sein, dass die Hunde einige Pausen zum Entspannen und Spielen haben. Die Übungen müssen abwechslungsreich und interessant sein.
- Auch theoretischer Unterricht oder gar Seminare zu bestimmten Themen sollten angeboten werden.
- Zum Training sollten Hunde aller Rassen und Größen – auch Mischlinge und Kleinsthunde – zugelassen sein.
- Problemhunde sollten mit ihren Besitzern gesondert unterrichtet werden. Ein guter Hundetrainer bietet hierzu auch Hausbesuche bzw. Einzelunterricht an – bis der Hund soweit ist, dass er am Allgemein-Training teilnehmen kann.
- Das Hundetraining sollte in jedem Falle gewaltfrei ablaufen. Werden schmerzende Halsbänder (Stachel, Kettenhalsbänder) oder gar elektrische Geräte verwendet, so sollte man diesem "Verein" sofort den Rücken kehren.

- Rassespezifische Besonderheiten der Hunde sowie die Fähigkeiten der Halter müssen erkannt und individuell berücksichtigt werden.

- Welpenspielstunden sollten ohne Stress für die Kleinen durchgeführt werden: z.B. keine gravierenden Altersunterschiede, überschaubare Gruppengröße, kein Lern-Zwang. Ab und zu sollten gut sozialisierte erwachsene Hunde mitwirken.

- Zeigt ein Hund zu häufig Beschwichtigungssignale, schleicht mit angelegten Ohren und eingezogener Rute in tiefer Körperhaltung herum und legt sich dies auch nach mehrmaligem Besuch des Trainings nicht , so ist ein solch ängstliches Tier mit der Situation überfordert und sollte zunächst im Einzeltraining bzw. mit maximal 3 Hunden üben.
 

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